Angst aus psychoenergetischer Sicht

von Dr.med. Reimar Banis, Arzt für Allgemeinmedizin/ Naturheilverfahren

Angsterkrankungen kommen in der täglichen Allgemeinpraxis relativ häufig vor. Man schätzt, dass mehr als 5% aller Menschen im Lauf ihres Lebens mit Angsterkrankungen zu tun haben. Oft ist das ein vorübergehender Zustand, beispielsweise bei einer überstarken Prüfungsangst, viele Menschen haben aber auch ständig mit übergrossen Ängsten zu tun, etwa in Form von Panikattacken, Sozialangst und Klaustrophobie. Normalerweise sind derartige Ängste bei einer gründlichen Befragung leicht zu erkennen. Deutlich schwieriger wird es bei der generalisierten Angststörung, die sich hinter unklaren Beschwerden wie Unruhe, Erschöpfung und Unbehagen (Schmerzen) verbergen kann. Oft gelingt die richtige Diagnose hier nur dem Fachmann, aber auch das scheint nicht immer der Fall zu sein. Denkt man an die grosse Gruppe der Schmerzpatienten, werden derartige Ausprägungen von Angst in der Praxis oft übersehen und daher nicht oder falsch behandelt. Häufig werden meiner Erfahrung nach auch bestimmte ungewöhnliche Formen der Angsterkrankung übersehen, über die ich im Folgenden ebenfalls berichten möchte.

Übliche Diagnose der Angst  

Angsterkrankungen sind in der Praxis bekanntlich üblicherweise Ausschlussdiagnosen, wenn andere organischen und psychiatrisch-neurologischen Krankheiten ausgeschlossen worden sind. Schon das führt nicht selten zu einem langen Krankheitsverlauf oder dazu, dass Angsterkrankungen im Lauf der Diagnose übersehen werden. Angsterkrankungen zeigen bestimmte Charakteristika, vor allem die Unfähigkeit, mit den eigenen Ängsten und Befürchtungen angemessen umzugehen, so daβ sie etwas Lebensbeherrschendes bekommen. Nicht selten stehen aber zum Zeitpunkt der Diagnosestellung nicht mehr die ursprünglich auslösenden Ängste im Vordergrund, sondern Folgereaktionen in Form von Verkrampfung, Unruhe, Schmerzen, depressiven Verstimmungen und vegetativen Störungen. Oft ist irgendwann auch die Eigentherapie der Angst das eigentlich Dominierende, etwa bei Alkoholismus, Drogen- und Psychopharmaka- Missbrauch. In derartigen Fällen ist es dann verständlicherweise oft recht schwierig, die richtige Diagnose zu stellen.

Diagnose der Angst aus psychoenergetischer Sicht

Ein Verfahren, das auch zur Diagnostik von Angsterkrankungen eingesetzt werden kann, ist die alternativ-medizinische Methode der Psychosomatischen Energetik (PSE). Die Methode definiert Angsterkrankungen durch bestimmte Charakteristika :

  1. Nach den Theorien der PSE befindet sich im Körper eine feinstoffliche Energie. Ist der Fluss dieser Energie durch Blockaden gestört, kann es zu körperlichen Beeinträchtigungen kommen, so die hinter der Methode stehende Theorie. Bei Angsterkrankungen werden regelmäßig niedrige Vital- und/oder Emotionalwerte bestimmt (unter 40-50%, normal wäre 100%);
  2. Typische Konflikte mit den Themen Angst, Unruhe und Anspannung werden bestimmt (häufig die Emotionalmittel Nr. 15, 16, 18, 5-7, 21-24);
  3. Bestimmte andere homöopathische Komplexmittel (für Angst spezifische Akutmittel der PSE) sprechen an.

Über bestimmte ungewöhnliche Formen der Angsterkrankung, die in der naturheilkundlichen Praxis jedoch recht häufig vorkommen, möchte ich im Folgenden berichten. Da die korrekte Diagnose bekanntlich die Grundlage einer erfolgreichen Therapie darstellt, ist die korrekte Zuordnung einer Störung begreiflicherweise sehr wichtig. Eine andere Vorgehensweise erscheint vor diesem Hintergrund streng genommen als Scheinlösung. Doch selbst wenn man unterstellt, dass es in der Praxis viele Wege nach Rom gibt, denkt man an die vegetative Spannungslösung, erscheint es insbesondere bei den häufigen versteckten Angststörungen wichtig, wenn sich der Patient die zugrundeliegenden Ängste erstmals bewusst macht. Angst gewinnt seine Psychodynamik bekanntlich vor allem dadurch, daβ sie oft etwas Sprachloses und daher wenig Greifbares hat. Benennt man aber die Angst, ist oft schon ein wichtiger Schritt hin zur Gesundung getan. 

Ungewöhnliche Formen der Angsterkrankung

Selbst wenn Menschen nicht auf Anhieb von ihren Ängste erzählen, bewahrheitet sich die Verdachtsdiagnose anschliessend oft bei einer anschliessenden Besprechung. Nicht selten sind übertriebene Ängste nämlich symptomatisch maskiert, etwa indem sie gesellschaftlich allgemein akzeptiert sind. Wer sich als Mutter beispielsweise ständig über seine Kinder Sorgen macht, deswegen oft an nichts anderes denken oder nachts nur schwer einschlafen kann, bei dem wird die Angsterkrankung  erfahrungsgemäss oft übersehen. Ergebnis einer psychoenergetischen Testung kann jedoch sein , daβ die ständigen Befürchtungen um das Wohl der Kinder als Ausdruck einer Angsterkrankung diagnostiziert werden. 

Nicht selten ist eine Angsterkrankung noch schwerer zu diagnostizieren. Im Lauf der Zeit stellte sich heraus, daβ viele Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom, ausgeprägten vegetativen Dysfunktionen wie Reizdarm, Schwitzen, Herzrhythmusstörungen  usw. und solche mit chronischen Schmerzen laut dem psychoenergetischen Test ebenfalls eine Angsterkrankung haben. Wenn ich solche Menschen anschliessend genauer nach Ängsten befrage, berichten sie meist von allgemeinen Befürchtungen, die gesellschaftlich akzeptiert sind, kaum aber von spezifischen Ängsten. Die Patienten spüren ein Gefühl des ständigen Getriebenseins und der Anspannung, auch der Schmerzen und des allgemeinen Unwohlseins, wogegen die zugrundeliegenden Ängste oft verdrängt und nicht mehr wahrgenommen werden. Fragt man aber genauer nach, wird auch hier oft von übertriebenen Befürchtungen und Sorgen berichtet. Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen (ADS), Lernstörungen und schwachem Selbstbewusstsein leiden oft ebenfalls an einer Angsterkrankung.

Fazit

Angst wirkt psychoenergetisch lähmend und erschöpft auf Dauer, schwächt das Selbstbewußtsein und die Fähigkeit, längere Zeit geistig konzentriert und in seiner Mitte zu sein. Angst hat auch einen großen vegetativen Störeffekt und erhöht dazu offenbar die Schmerzschwelle. Angst wirkt als ein großer Energieräuber und boykottiert im Hintergrund meist erfolgreich alle Versuche, aus eigener Kraft wieder auf die Füße zu kommen und sich zu regenerieren. Viele Menschen entwickeln unbewusst eine Verdrängungsstrategie, indem sie ihre Ängste nicht wahrhaben wollen und sie in gesellschaftlich sanktionierte Gefühle wie sich-Sorgen-machen umdeuten. 

Die psychoenergetische Testung kann in der Diagnostik von Angsterkrankungen in der Praxis eingesetzt werden, insbesondere auch bei Problempatienten mit schwer therapierbaren Störungen wie chronisch-vegetativer Erschöpfung und Schmerzzuständen. Das Gleiche gilt für Kinder und Jugendliche mit Lern- und Verhaltensstörungen. Das durch die psychoenergetische Testung angeregte Gespräch ist dabei die Basis für eine weiterführende Therapie . Darüber hinaus  können homöopathische Komplexe (Emotionalmittel) zur Behandlung der nach den Theorien der PSE bestimmten seelischen Konflikte zum Einsatz kommen

Leicht veränderter und stark gekürzter Auszug aus der "Schweizerischen Zeitschrift für Ganzheitsmedizin". Oktober 2007.

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